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Alfred
Bullermann, Bösel
4. Schmiedeweltkongress Ferro Insight 2000
Eine abschließende Betrachtung
Im Jahr der Expo 2000 ein weltumspannendes Zusammentreffen unserer Zunft
mit all ihren kulturellen, menschlichen, sprachlichen und handwerklichen,
auchkünstlerischen Eigenheitenzusammen zu führen, war die vorausgehende
Idee.
Mit meinem Freund Peter Elgass vom Verlag Hephaistos habe ich 1996schon
kurz nach dem 3. Weltkongress in Aachen diese Idee zu einem Konzeptzusammen
gefaßt. Uns war von diesem Zeitpunkt an klar, daß dieses Schmiedetreffen
kein Kongress ausschließlich für die Koryphäen dieser Welt werden würde.
Offen für die jungen Metallgestalter und Schmiede sollte er sein. Einblick
sollte er geben in die Geschichte unserer Handwerkskultur, in Traditionen,
in Zeitgeist und Form, in die aktuelle Metallgestaltung. Ein kultureller
Austausch sollte stattfinden.
Auf der Expo 2000 wollten wir über die gesamte Dauer unser Handwerk intern
und extern jedem Interessierten öffnen und nicht nur einem bestellten
Fachpublikum vorjurierte Arbeiten präsentieren.
Nachdem die Idee aus verschiedenen, in erster Linie materiellen Gründen
scheiterte, habe ich mich gefragt, ob die erarbeite Konzeption für die
Expo 2000 nicht an einem anderen Ort umzusetzen wäre. Nach einigen Gesprächen
mit den entsprechenden Personen in meiner Heimatstadt
Cloppenburg, u.a. mit der Leitung des dort ansässigen Niedersächsischen
Freilichtmuseums und den Entscheidungsträgern des Verbundes Oldenburger
Münsterland, waren Partner zur Umsetzung der Idee "Ferro Insight 2000"
gefunden.
-Einblick geben- war der Titel der Veranstaltung. Etwas auslösen wollten
wir mit den gewählten Themen der Referate. Nicht die Selbstdarstellung
einiger weniger Referenten mit einem Repertoire ihrer Werke sollte Inhalt
des Kongresses sein.
Gemeinsam etwas erarbeiten,
Fragen zu stellen und gestellt zu bekommen,
Antworten geben und zu bekommen,
konstruktiv zusammen zu arbeiten.
Jung und alt, Lehrling oder Meister,
Gestalter, Künstler, Handwerker,...
Gebrauchsgegenstand oder Kunstwerk,...
historisch oder modern,...
Gestaltungsstrategien, wirtschaftliche Zwänge,...
persönliche Freiheit...
Was ist wichtig -oder noch wichtiger?
Ich glaube, der 3-wöchige Workshop im Vorfeld des eigentlichen Kongresses
hat gezeigt, wie wichtig die Kommunikation, die gegenseitige Akzeptanz,
die Achtung voreinander ist. Vielleicht finden die Teilnehmer auch mit
Hilfe der hier gesammelten Erfahrungen zu ihrer eigenen Ausdrucksform,
zu ihrem eigenen, wie man früher sagte, unverwechselbaren Stil? Dieser
wiederum wird hauptsächlich geprägt vom sozialen Umfeld, vom persönlichen
Ansporn und nicht zuletzt vom eigenen Anspruch. Heute läßt man individuelle,
persönliche, kreative Entwicklungen nur sehr selten zu. Vieles ist abhängig
vom Wohlwollen einiger weniger einflußreicher Mäzene.
Fast alle schulischen Institutionen lehren nach vorgegebenen Regeln und
Plänen. In den meisten unserer Ausbildungsbetriebe ist das nicht anders.
Die konkret konzeptionierte, allgemeingültige, angewandte Lehre von der
guten Form, vom Goldenen Schnitt, von den Grundlagen der Gestaltung usw.
hat sicherlich nach wie vor einen grundlegenden und damit hohen Stellenwert
in der gestalterischen Ausbildung. Jedoch dürfen Anstöße und Anregungen
zum Ideenfindungsprozess, die aus dem kreativen Experiment entstehen,
und deren anschließende Analyse in der Ausbildung
nicht zu kurz kommen. Andere und neue Sichtweisen in der Metallgestaltung
sollten wir wahrnehmen und objektiv betrachten lernen. Ich glaube, wir
Schmiede und Metallgestalter sollten intern mehr Kraft für konstruktive
Zusammenarbeit und den Austausch untereinander, sowie für Weiterbildungsmaßnahmen
freimachen.
Je mehr kreative Handwerker sich in ihrem Gewerk intensiv der Gestaltung
widmen, desto größer wird die Nachfrage nach anspruchsvoll gestalteten
Arbeiten sein.
Die Erfahrungen, die wir vor und während der Dauer des Workshops und mit
der Durchführung des Kongresses gemacht haben, sind und bleiben für meine
Familie, meine Freunde und mich unvergeßlich! Ob handwerklich, gestalterisch,
kulturell oder rein menschlich... Freundschaften haben sich bestätigt
und/oder sind neu entstanden.
Ich wünsche mir für die folgenden Schmiedeweltkongresse, daß die Nachwuchsarbeit
den Schwerpunkt der Inhalte bildet. Ganz besonders bedanken möchte ich
mich auf diesem Wege noch einmal bei den Referenten und den Workshopbegleitern.
Ohne deren überaus großes, ehrenamtliches Engagement wäre die Durchführung
des Schmiedeweltkongresses "Ferro Insight 2000" nicht möglich gewesen.
"Ferro Insight 2000" war ein Experiment.
Experimente und daraus resultierende Erfahrungen haben von jeher zu neuen
Erkenntnissen geführt.
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